Katze kastrieren

Katze kastrieren – Ablauf, Kosten & wichtige Tipps

Ist deine Samtpfote ein neugieriger Freigänger oder teilt sie ihr Zuhause mit anderen Katzen unterschiedlichen Geschlechts, kommt früher oder später eine wichtige Frage auf dich zu: Was passiert, wenn sie rollig wird? Die Rolligkeit ist die Phase im Fortpflanzungszyklus der Katze, in der sie paarungsbereit ist und Verhaltensweisen wie verstärktes Rufen, Reiben und erhöhte Anhänglichkeit zeigt. Damit in dieser Phase kein ungewollter Nachwuchs entsteht und deine Katze gesund und entspannt durchs Leben gehen kann, klären wir gemeinsam mit Tierärztin Dr. med. vet. Julia Vietmeier, welche Möglichkeiten es gibt und was eine Kastration für deine Katze bedeutet.

Zusammenfassung

  • Bei der Kastration werden die Keimdrüsen (Eierstöcke oder Hoden) operativ entfernt, damit deine Katze dauerhaft vor ungewolltem Nachwuchs geschützt ist.
  • Tierärzte raten dazu, Katzen bereits vor der Geschlechtsreife, also vor dem 4. Lebensmonat, kastrieren zu lassen.
  • Nach der Kastration sind Ruhe, Beobachtung und eine angepasste Ernährung besonders wichtig, damit deine Samtpfote gut und sicher genesen kann.

Was bedeutet eine Kastration bei Katzen?

Eine Kastration ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Keimdrüsen (Eierstöcke oder Hoden) dauerhaft entfernt werden.

  • Bei der Katze werden die Eierstöcke entfernt und, falls erforderlich, zusätzlich die Gebärmutter.
  • Beim Kater werden die Hoden entfernt. 

Damit wird die Fortpflanzungsfähigkeit und zu großen Teilen auch die Hormonproduktion der Keimdrüsen vollständig ausgeschaltet. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und gilt bei gesunden Tieren als Routineoperation.


Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?

Fachlich korrekt bezeichnet der Begriff Kastration immer die Entfernung der Keimdrüsen. Der häufig verwendete Begriff „Sterilisation“ beschreibt lediglich das Durchtrennen der Eileiter oder Samenleiter. Diese Methode wird in der Kleintiermedizin wegen höherer Risiken und fehlender Vorteile praktisch nicht angewendet.

Katze kastrieren: Ja oder nein?

Ob eine Kastration für deine Katze sinnvoll ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Es ist eine Entscheidung, die Zeit, Gefühl und eine ehrliche Abwägung von Chancen und Risiken verdient.

Vorteile einer Kastration bei Katzen

Die Kastration unterstützt die Gesundheit von Katzen, beeinflusst ihr Verhalten oft positiv und kann helfen, Belastungen im Alltag zu verringern.
 

  • Fortpflanzungskontrolle: Eine Kastration verhindert zuverlässig Trächtigkeiten und dient als zentrale Maßnahme im Tierschutz.
     
  • Gesundheitsvorsorge: Studien1 zeigen, dass früh kastrierte Katzen ein geringeres Risiko für bösartige Gesäugetumoren haben. Gleichzeitig verhindert die Kastration in der Regel eine Pyometra (Gebärmuttervereiterung) und hormonelle Zyklusstörungen. Beim Kater eliminiert die Kastration das Risiko für Hodentumoren und senkt das Risiko für Prostataerkrankungen.
     
  • Verhalten: Viele Katzen werden ruhiger, streunen weniger und kämpfen seltener mit Artgenossen und dadurch sinkt das Verletzungsrisiko. Besonders bei Katern nimmt revieraggressives Verhalten (Revierkämpfe) ab.
     
  • Reviermarkieren: Viele kastrierte Vierbeiner zeigen deutlich weniger Harnmarkierverhalten.
     
  • Dauerrolligkeit: In seltenen Fällen kann es bei Katzen zu einer Dauerrolligkeit kommen, bei der die hormonelle Situation von einer Paarungszeit direkt in die nächste übergeht, ohne die übliche Ruhephase zwischen den Zyklen. Diese Dauerrolligkeit ist für Katzen belastend und kann gesundheitliche Risiken bergen.


Katze kastrieren: Nachteile

Trotz vieler Vorteile gibt es auch Aspekte der Kastration, die besondere Aufmerksamkeit und eine angepasste Pflege erfordern:
 

  • Gewichtszunahme: Nach der Operation sinkt der Energiebedarf. Wenn die Fütterung nicht angepasst wird, steigt das Risiko für Übergewicht. Studien2 zeigen, dass kastrierte Katzen ein etwa doppelt so hohes Risiko für Adipositas haben. Das lässt sich aber in der Regel gut durch eine angepasste Fütterung und mehr Bewegung ausgleichen.
     
  • Mögliche Veränderung des Stoffwechsels: Manche Katzen entwickeln nach der Kastration eine höhere Neigung zu Harnsteinen und anderen Erkrankungen des Harntraktes, besonders wenn sie übergewichtig sind oder wenig trinken.
     
  • Operationsrisiken: Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen Risiken durch die Narkose und Wundheilung. Bei gesunden Katzen sind Komplikationen aber selten.

Tierärztin Dr. Julia Vietmeier:

„Nach einer Kastration verändert sich bei vielen Katzen der Stoffwechsel. Der Energiebedarf sinkt und manche Tiere werden weniger aktiv. Wenn deine Katze relativ wenig trinkt, kann diese Kombination dazu führen, dass ihr Urin konzentrierter wird. Ein konzentrierter Urin begünstigt die Bildung bestimmter Harnsteine. Aus tierärztlicher Sicht ist es daher sinnvoll, nach einer Kastration verstärkt auf eine ausreichende Wasseraufnahme und eine ausgewogene Ernährung zu achten. Diese Erkrankungen sind kein Automatismus, aber ein relevanter Risikofaktor, den wir in der Praxis regelmäßig beobachten.“

Ablauf der Kastration bei der Katze

Da der Eingriff in Narkose erfolgt, musst du deinen Stubentiger nüchtern zur Tierarztpraxis bringen. Eine vorab durchgeführte Blutanalyse hilft, den Gesundheitsstatus deiner Katze zu prüfen und sicherzustellen, dass sie fit für die OP ist. Generell gilt eine Kastration als Routineeingriff und die meisten Katzen sind schnell wieder wohlauf.

  1. Die Kastration der Katze ist eine Operation, bei der die Bauchhöhle auf Höhe des Nabels mit einem kleinen Schnitt eröffnet wird.
  2. Dann verlagert man mit Hilfe sogenannter Kastrationshaken die Eierstöcke nach draußen und bindet sie ab.
  3. Nach dem Abbinden werden die Eierstöcke entfernt, damit keine Sexualhormone mehr gebildet werden und die Katze nicht weiter rollig wird.
  4. Falls nötig, wird bei dieser Operation auch die Gebärmutter (Uterus) entfernt.
  5. Der Schnitt wird mit sogenannten resorbierbaren Fäden in einigen Stichen genäht. Das bedeutet, dass sich der Faden auflöst und ein Fädenziehen meistens entfällt. In manchen Fällen wird ein äußerlich sichtbarer Knoten nach etwa 10 Tagen gekürzt oder kontrolliert.

Der Eingriff beim Kater ist etwas einfacher als bei der Katze, da hier in der Regel die Bauchhöhle nicht geöffnet werden muss. Nach der Entfernung der Haare und ausreichender Desinfektion werden im Hodensack zwei kleine Schnitte gemacht und die Hoden entfernt.

Ab wann sollte man eine Katze kastrieren?

Die World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) hat im Jahr 2024 ihre ersten Richtlinien zur Fortpflanzungskontrolle für Hunde und Katzen veröffentlicht. Derzeit wird empfohlen, weibliche Katzen vor der Pubertät (der Geschlechtsreife), also vor dem 4. Lebensmonat, zu kastrieren. Kater können ebenfalls in diesem Alter kastriert werden, ohne dass dies negative Auswirkungen auf ihre Lebenserwartung, Gesundheit und ihr Verhalten hat.

Eine Kastrationspflicht aller Katzen gibt es bundesweit aktuell nicht. In einigen Regionen gelten jedoch spezielle Regelungen für freilaufende Katzen, die von Bundesländern oder Kommunen im Rahmen sogenannter Katzenschutzverordnungen erlassen wurden.

Kosten der Kastration von einem Kater – damit musst du rechnen

Die GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) gibt einen Gebührenrahmen vor. Für jede tierärztliche Leistung existiert ein Mindestbetrag (1-facher Satz). Der behandelnde Tierarzt darf je nach Aufwand, Schwierigkeitsgrad, Zeitbedarf, Praxis- und Standortbedingungen aber auch den 2-fachen oder 3-fachen Satz berechnen. Die Gesamtkosten ergeben sich aus der Summe mehrerer Positionen: Voruntersuchung und Beratung, Narkose, Operation selbst, Medikamente, verwendetes Material (z. B. Instrumente, Verbandsmaterial), Nachsorge, evtl. zusätzliche Leistungen bei Komplikationen oder besonderem Aufwand. Damit gibt es in Deutschland zwar weiterhin keinen festen „Pauschalpreis“ für eine Kastration — aber einen gesetzlich vorgegebenen Rahmen. Tierärzt:innen müssen ihre Abrechnung innerhalb dieses Rahmens begründen. 

Beispielrechnung: Kastration eines Katers (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) 

Angenommen wird hier die Berechnung im einfachen Satz, ohne vorangehendes Blutbild und mögliche Komplikationen. Auch die Nachsorge ist hier noch nicht inbegriffen. Da es sich um Nettopreise handelt, kommt zusätzlich noch die Umsatzsteuer von 19 % hinzu. 

Auflistung aus dem Gebührenverzeichnis: 

  • GOT Ziffer 16: Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund, Katze, Frettchen 23,62 Euro
  • GOT Ziffer 221: Injektion, subkutan, intrakutan, intramuskulär, Hund, Katze, Frettchen 11,50 Euro
  • GOT Ziffer 310: Injektionsnarkose intramuskulär, Hund, Katze, Frettchen 23,44 Euro
  • GOT Ziffer 378: Kastration, Kater 30,32 Euro
  • § 7 Entgelt für Verbrauchsmaterialien (z.B. Handschuhe, Abdecktücher, OP-Kleidung, Nahtmaterial, Tupfer, Kanülen, Spritzen, Venenkatheter, Infusionsbesteck), Kosten nach Bedarf
  • § 7/§ 9 Entgelt für angewandte und abgegebene Arzneimittel, Kosten nach Bedarf 

Gesamtkosten: 88,88 Euro netto, zzgl. Verbrauchsmaterialien und Medikamente

Die Nachsorge, das Fädenziehen und weitere Versorgung fallen darüber hinaus gesondert an. Bei der Kastration einer Katze ist in der Regel mit höheren Kosten zu rechnen.

Nach der Kastration – Tipps zur Nachsorge und Genesung

Nach einer Kastration beginnt für deine Katze eine kurze, aber wichtige Genesungsphase. Die meisten Tiere erholen sich rasch, dennoch braucht es in den ersten Tagen ein aufmerksames Auge:

1. Unterstützung direkt nach der Kastration

Unmittelbar nach der Operation ist deine Katze noch von der Narkose benommen. Deine Samtpfote sollte sich deswegen an einem warmen, ruhigen Ort ausruhen, bis sie wieder sicher laufen kann. Den Zugang zu Treppen, Sofas oder anderen Höhen solltest du in dieser Zeit einschränken, damit sie nicht stürzt. Falls ein Freigänger bei dir lebt, sollte er die ersten Tage im Haus verbringen. Viele Katzen zeigen bereits am nächsten Tag wieder normalen Appetit. Wichtig ist, dass immer frisches Wasser bereitsteht.

2. Wundkontrolle und Schutzkragen

Die Wunde sollte trocken und sauber bleiben. Ein Leckschutz wie ein Body oder Kragen (Halskrause) ist sinnvoll, damit deine Katze nicht an der Naht knabbert. Bis sich die Fäden auflösen, sollte die körperliche Aktivität deiner Fellnase reduziert werden. Besonders Kätzinnen benötigen etwas mehr Ruhe als Kater, weil der Eingriff, und damit das Risiko für Komplikationen, etwas umfangreicher ist. Leichte Schwellungen in den ersten Tagen sind normal. 

Warnzeichen sind dagegen 

  • Rötungen,
  • starker Geruch oder
  • ein Nässen der Wunde.
  • Fieber,
  • Apathie oder
  • fehlender Appetit sind ebenfalls Grund zur Sorge.
     

Hier ist die Wundheilung gestört, und in solchen Fällen sollte zeitnah die Tierarztpraxis kontaktiert werden. Eine routinemäßige Nachkontrolle wird meist nach einigen Tagen empfohlen, um den Heilungsverlauf zu überprüfen.
 

3. Ernährung nach der Kastration anpassen

In den ersten Stunden nach der OP kann Übelkeit auftreten. Deshalb empfiehlt es sich, ihr erst eine kleine Portion leicht verdaulichen Futters oder Schonkost anzubieten. Außerdem solltest du ab dem Tag der Kastration die Ernährung anpassen, um zu vermeiden, dass deine Katze übergewichtig wird. Laut Studien3 ist eine Reduzierung des Futters um ca. 25 % nötig.
 

FAQ: Häufige Fragen zur Kastration von Katzen

Katzenhalter stellen sich häufig diese Fragen:

Kann eine Katze kastriert werden, wenn sie rollig ist? 

Grundsätzlich ist es möglich, eine Katze während der Rolligkeit zu kastrieren, jedoch wird davon in der Regel abgeraten. Während der Rolligkeit ist das Gewebe der Eierstöcke und der Gebärmutter stärker durchblutet, was das Blutungsrisiko während der Operation erhöht. Außerdem kann der Eingriff technisch anspruchsvoller sein, da die Strukturen empfindlicher und stärker geschwollen sind.

Aus tierärztlicher Sicht ist es daher in den meisten Fällen sinnvoll, den Eingriff in einer hormonell ruhigeren Phase durchzuführen. Die ideale Zeit liegt zwischen zwei Rolligkeiten, also nachdem die hormonelle Aktivität abgeklungen ist. In individuellen Fällen kann der Tierarzt, nach Abwägung mit dem Katzenbesitzer, entscheiden, die Katze trotzdem während der Rolligkeit zu operieren.

Ab wann kann man eine Katze nach der Geburt kastrieren lassen? 

Nach der Geburt sollte eine Katze erst kastriert werden, wenn sie sich vollständig von Trächtigkeit und Laktation erholt hat. Der ideale Zeitpunkt liegt in der Regel etwa 8–12 Wochen nach dem Werfen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Milchdrüsen abgeschwollen, der Hormonhaushalt hat sich stabilisiert und der Körper ist wieder belastbar genug für einen chirurgischen Eingriff.

Wichtig ist, dass die Kastration vor der nächsten Rolligkeit erfolgt, denn viele Katzen werden bereits zwischen 2 und 8 Wochen nach der Geburt wieder hormonell aktiv und können erneut trächtig werden, auch während sie noch säugen.

Muss auch eine Wohnungskatze kastriert werden? 

Ja, auch Wohnungskatzen sollten in der Regel kastriert werden. Obwohl sie keinen Freigang haben, setzt bei ihnen derselbe hormonelle Zyklus ein wie bei Freigängern. Rolligkeit kann zu starkem Stress, lautem Rufen und Unruhe führen, beim Kater kommt es häufig zum Markieren und deutlichem Paarungsverhalten. Diese Belastungen treten regelmäßig wieder auf und beeinträchtigen das Wohlbefinden vieler Tiere. Eine Kastration verhindert diese hormonbedingten Probleme und sorgt für ein ausgeglichenes, stressärmeres Zusammenleben. Hier kann die behandelnde Tierärztin oder der Tierarzt bei einer Einschätzung helfen.

Fazit: Die Kastration ist ein Schritt, der weit über die reine Fortpflanzungskontrolle hinausgeht. Sie schafft Ruhe im Alltag deiner Katze, schützt vor vermeidbarem Stress und unterstützt ein gesundes, ausgeglichenes Leben. Jeder Stubentiger ist individuell, doch trotzdem zeigt die Erfahrung, dass viele Tiere nach der Kastration gelassener, zufriedener und harmonischer im Familienalltag ankommen.

Bist du diesen Weg mit deiner Katze bereits gegangen oder stehst du im Moment noch vor dieser Entscheidung? Dann teile deine Gedanken, Gefühle und Erfahrungen gerne mit uns!

1(Jepson R, Should we recommend spaying cats for mammary tumour prevention, and if so, at what age. Veterinary Evidence. 2024)
2 (Larsen JA, Risk of obesity in the neutered cat, Journal of Feline Medicine and Surgery, 2017)
3(Chandler M. Neutering cats and its impact on weight and body condition. Vet Times. 2013).

Tierärztin Dr. Julia Vietmeier

ist promovierte Fachtierärztin und setzt in ihrer Praxis auf Chiropraktik und Akupunktur. 
Sie legt großen Wert auf die ganzheitliche Behandlung ihrer vierbeinigen Patienten.

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